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1. KLINISCHE VORSTELLUNG
Epidemiologie
Alkoholische Leberkrankheit (ALK) ist eine der wichtigsten medizinischen
Verwicklungen bei Alkoholmissbrauch und ein bedeutendes Gesundheits- und
Wirtschaftsproblem in der westlichen Welt.
Alkohol ist die wichtigste Ursache von Leberzirrhose in der westlichen
Welt und Alkolzirrhose ist für etwa 44 % der
26 000 Zirrrhosetoten jährlich in den VS verantwortlich.
Sichere Grenzen für Alkoholkonsum
Über sichere Grenzen für Alkoholgenuss gibt es sehr viele Kontroversen,
allgemein wird aber ein Limit von 21 Einheiten (210 g) Alkohol für
Männer und 14 Einheiten für Frauen pro Woche gesetzt.
Obwohl das Risiko auf ALK stark zunimmt, wenn man diese Grenzen überschreitet,
dennoch ist die Reaktion der Patienten sehr heterogen in sofern es um
den Ernst und die individuelle Empfänglichkeit für Leberkrankheiten
infolge Alkohol handelt.
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Faktoren
welche die Empfänglichkeit für ALK steigern.
- Frauen bei jedem Alkoholniveau
- Lebenslänglicher Alkoholkonsum
- Genetische Faktoren
- Trinken ohne zu essen
- Trinkgelage
- Getränke mit hohem Alkoholgehalt (Spirituosen ...)
- Der Gebrauch verschiedener Sorten alkoholischer Getränke
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Man
schätzt, dass obwohl 99-100 % der starken Trinker Zeichen von Leberverfettung
zeigen, sich jedoch nur 10-35 % Alkoholhepatitis zuziehen und, dass nur
8-20 % Zirrhose entwickeln (Figur 1).
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Figur
1.
Progression
of alcoholic liver disease
in heavy drinkers.
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Spektrum
der Leberkrankheiten
Die drei bekanntesten alkoholischen Leberkrankheiten sind alkoholische
Leberverfettung (Steatosis), akute Alkoholhepatitis und Alkoholzirrhose.
Steatosis erscheint unabänderlich wenn der Konsum 80 g Alkohol pro
Tag überschreitet. In dieser Pathologie wird Zytoplasma von angegriffenen
Hepatozyten durch eine einzelne große Triglyzeride Okklusion okkupiert.
Die Leberfunktion ist manchmal normal und Steatosis ist umkehrbar bei
Abstinenz.
Akute
Alkoholhepatitis
Bei Alkoholhepatitis
zeigt das typische histologische Bild Hepatozellularnekrose und Schwellungsdegeneration,
alkoholische Mallory's hyaline Körper und eine inflammationäre
Reaktion mit vielen polymorphonukleare Leukozyten (Satellitosis).
Man
schätzt, dass 15 bis 20 Jahre übermäßiger Alkoholmissbrauch
notwendig ist um eine alkoholische Leberentzündung zu entwickeln.
Cholestasis rückt in den Vordergrund und ist ernstlicher bei Frauen
und bei Nordeuropäern und nicht bezogen auf das Trinkmodell oder
die Sorte von alkoholischem Getränk. Hohe Mortalität (30-60
%) wird wahrgenommen und Patienten verschlechtern öfters nach der
Einweisung in ein Krankenhaus und trotz Abstinenz.
Man hat festgestellt, dass Alkoholhepatitis ein wichtiges Vorzeichen für
den Anfang von Zirrhose ist.
Zirrhose
Zirrhose
ist der schwerste Leberschaden durch Alkohol und ist gewöhnlich vom
mikronodularen Typ.
Das Risiko wird bei stetigen Trinkern erhöht. Die Überlebungsmöglichkeit
zu einem Jahr beläuft sich auf 60 bis 70 %, zu fünf Jahren auf
35 bis 50 %.
Pathogenese
Das
meiste Beweismaterial zeigt, dass Zellulartoxizität infolge Azetaldehyds
die wichtigste Ursache einer durch Alkohol herbeigeführten Leberschaden
ist.
Äthanol wird in den Mitochondrien durch Alkoholdehydrogenasis zu
Azetaldehyd oxidiert, das seinerseits durch Azetaldehydehydrogenasis zu
Azetat oxidiert wird. Diese oxidierenden Reaktionen ändern den Zellmetabolismus
mit schädlichen Folgen für den Metabolismus von Lipiden und
Kohlehydraten, zum Beispiel Steatosis.
Aus Sauerstoff hervorgegangene freie Radikale können unmittelbare
hepatozytische Beschädigungen durch lipide Peroxidation herbeiführen
während Azetaldehyd durch Kovalenzbindungen Proteine bindet und dadurch
Adduktoren bildet die als Neoantigene dienen können. Diese Verbindung
ist der Anfang schädlicher humoraler und/oder zellularer Immunreaktionen,
die zu Gewebeschaden führen.
Der Ausdruck der proinflammatorischen Zytokinen, der Tumornekrose Faktor-Alpha
(TNF-a), des transformierenden Anwachs Faktor-ß (TAF-ß), Interleukin
(IL)-1ß und IL-6 wird bei alkoholischem Leberschaden gesteigert
während die anti-inflammatore Zytokine, IL-4 verringert wird.
Diese Zytokinen stimulieren stellare Zellen, die Kollagen produzieren
was zu Leberfibrosis führt. Überdies führt Unterernährung
bei Patienten mit Alkoholhepatitis zu einer Schwächung der Verteidigungsmechanismen
der Antioxidationsmittel und trägt bei zur Entwicklung des Leberschadens
durch Alkohol hervorgerufen.
Klinische Vorstellung
Die klinische
Vorstellung der alkoholischen Hepatitis wechselt sehr stark dem Ernst
der Krankheit nach. Allgemeine Symptome sind Schwäche, Anorexie,
Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhöe. Patienten mit
Alkoholhepatitis sind öfters schlecht oder unterernährt und
fiebrig.
Schmerzen im rechten Oberquadranten, Gelbsucht und Fieber können
auftreten und zu einer Fehldiagnose von Gallengangkrankheit führen.
Bei körperlicher Untersuchung nimmt man oft Lebervergrößerung
(Hepatomegalie) wahr, die empfindlich für Berührung ist.
Lebergeräusche können gehört werden. Milzausdehnung (Splenomegalie)
ist ungewöhnlich.
Aszites und hepatitische Enzephalopathie sind gewöhnlich bei schwerer
Krankheit aber Krampfadern sind ungewöhnlich.
Obergastrointestinale Blutung kommt vor, ist aber gewöhnlich gastrischer
Erosion oder peptischer Ulzeration auf einem Hintergrund von Koagulopathie.
Infektionen sind ganz gewöhnlich.
Öfters haben Patienten eine Koexistenz Alkoholhepatitis und Zirrhose
mit klinischen Kennzeichen wie Spinnenteleangiektasie, Parotisvergrößerung,
Gynäkomastie
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2. FORSCHUNG
Laborbefund
Tabelle
1
Allgemeiner Laborbefund bei Alkoholhepatitis
Leukozytose
mit Verschiebung nach links
AST 2 bis 3 Mal Höher als ALT (ALT gwl. <100 IU/L)
Angestiegenes Bilirubinserumniveau; korreliert mit dem Ernst
Verlängerte Prothrombinzeit; korreliert mit dem Ernst
Abgenommenes Albuminserumniveau
Angestiegenes IgA und IgB Serumniveau
Abgenommenes Cholesterinserumniveau
Abgenommenes Trijodothyroninserumniveau
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Serum Transaminase Niveaus werden öfters bei alkoholischer
Lebererkrankung nicht besonders erhöht und Werte höher als fünf
Mal das höchste Limit des Normalbezugsniveau sollten Anlass geben
zum Erwägen von anderen Diagnosen wie virale oder autoimmune Hepatitis.
- Hyperbilirubinemie reflektiert den Ernst der Hepatitis könnte bei
Alkoholhepatitis stark erhöht werden.
- Verlängerung der Prothrombinzeit und Hypoalbuminemie reflektieren
eine schwache hepatitische synthetische Funktion.
- Leukozytose ist gewöhnlich und eine Anzahl von polymorphonuklearen
Leukozyten größer als 5 500/mm³ könnte mit einem
besseren Respons zu der Kortikotherapie.
Ultrasonographie
Ultraschallaufnahmen können helfen um die Möglichkeit
einer Gallengangentzündung bei an Gelbsucht leidenden und fiebernden
Patienten zu eliminieren.
Eine irreguläre geschrumpfte Leber suggeriert ernsthafte Zirrhose
während zusätzliche Zeichen wie Bauchwassersucht, Krampfadern
und Milzvergrößerung auch auf andere Krankheiten hinweisen
können.
Leberbiopsie
Leberbiopsie
ist notwendig um die Diagnose zu bestätigen, die Größe
des Leberschadens zu beurteilen und eine prognostische Betreuung zu versehen.
Die Koagulopathie, öfters mit ernsthafter Alkoholhepatitis assoziiert,
könnte die Transjugularroute für die Biopsie notwendig machen.
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3. PROGNOSE
Bei Patienten mit
ernsthafter Erkrankung erreicht die 30-Tage Mortalität 50 %, wenn
man aber alle Patienten mit Alkoholhepatitis in Betracht zieht, beträgt
die allgemeine 30-Tage Mortalität etwa 15 %.
Maddrey's Diskriminantenfunktion mit folgender Formel hat die beste Korrelation
und den höchsten absoluten voraussagenden Wert um die 30-Tage Mortalität
vorherzusagen. Diskriminantenfunktion: (4,6 X Prothrombinzeitverlängerung
in Secunden ) + Bilirubin (mg/dl).
Werte über 32 indizieren schwere Erkrankung. Der prognostische Wert
dieser Formel ist prospektiv bestätigt worden und ergibt sich als
klinisch sehr nützlich für therapeutische Entscheidungen wenn
schwere Erkrankung Behandlung erfordert.
Andere Faktoren die korrelieren mit schlechter Prognose umfassen vorgerücktes
Alter, angegriffene Nierenfunktion, Enzephalopathie und eine Steigerung
der Anzahl von weißen Blutzellen in den ersten zwei Wochen der Einweisung.
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4. THERAPIE
Die wichtigste Form der Behandlung ist Abstinenz.
Milde Erkrankung
Patienten mit einer
milden oder gemäßigter Erkrankung überleben gewöhnlich
dieses Stadium ihrer Krankheit, wenn sie nur auf Alkohol verzichten.
Ernsthafte Erkrankung
Patienten mit schwerer
Alkoholhepatitis (Maddrey's Quote über 32) erfordern aktive und spezifische
Behandlung um die grimmige, hohe kurzfristige Mortalität zu ändern.
Wie in Tabelle 2 gezeigt
wird, gibt es eine Anzahl von therapeutischen Agenzien, die klinischen
Tests für Alkoholhepatitis unterzogen wurden. Von allen Therapien
haben nur Kortikosteroide und totale enterale Ernährung deutlich
Nutzen gebracht.
Tabelle
2
Propylthiouaril
Kolchizine
Kortikosteroide Insulin/Glukagon
(intravenöse anabole Steroide)
Testosteron
Oxandrolon
Totale enterale Ernährung
Antioxydationsmittel
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Kortikosteroide
Kortikosteroide sind
immer die meist kontroverse Therapie bei Alkoholhepatitis gewesen. Man
hat mehr als 40 Untersuchungen angestellt um die Resultate der Behandlung
zu testen. Zwei rezente Metanalysen von elf beliebigen Kontrolleversuchen
sind mehr zugunsten der Kortikosteroidetherapie für Patienten mit
schwerer Erkrankung und spontaner hepatitischer Enzephalopathie. Jedoch
scheinen Steroide nur günstige Effekte auf kurzfristiges aber nicht
auf langfristiges Überleben zu haben. Rezente Studien haben gezeigt,
dass enterale Ernährung mit einem besseren langfristigen Resultat
als Kortikosteroiden assoziiert wurde. Eigentlich hat keine einzige Therapie
universelle wunderbare Erfolge gehabt.
Nährungsunterstützung
Da Patienten mit
Alkoholhepatitis öfters protein- und kalorienarme Nahrung zu sich
nehmen, sind Nährpräparate eine verführerische therapeutische
Option. Rezente Daten haben deutlich gezeigt, dass totale enterale Ernährung
(20-30kcal/kg/Tag) wirklich die Vorzugsbehandlung ist wegen des guten
langfristigen Effekts mit einer Abnahme der durchschnittlichen Anzahl
Infektionen.
Lebertransplantation
Orthotopische Lebertransplantation
hat sich als eine sehr wichtige therapeutische Option für Patienten
mit alkoholischer Leberentzündung in der Schlussphase ergeben. Völlige
Abstinenz von 3 bis sechs Monate vor der Operation wird erfordert, damit
man eine niedrige Durch-schnittsanzahl Alkoholrezidivisten nach der Operation
habe.
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5. SCHLUSSFOLGERUNG
Alkoholhepatitis ist
ein nekrotischer, entzündlicher Prozess, der öfters zu Zirrhose
und dem Tod führt. Die Diagnose dieser ernsthaften Situation erfordert
eine Leberbiopsie.
Die Pathogenese wird noch nicht völlig verstanden, obwohl man neulich
signifikante Fortschritte erzielt hat. Die Prognose ist schlecht bei ernsthafter
Erkrankung wenn Änderungen der Prothrombinzeit und des Bilirubinserumniveaus
gemerkt werden. Abstinenz und geeignete totale enterale Ernährung
sind wahrscheinlich die effektivste heutige Behandlung.
Es gibt erneuertes Interesse für den Gebrauch von Kortikosteroiden
bei ernsthafter Erkrankung. Orthotopische Lebertransplantation ist geeignet
für manche Patienten mit Lebererkrankung in der Schlussphase.
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